Pisaura mirabilis  

Die Listspinne gehört zur Familie der Raubspinnen (Pisauridae) und ist eine tagaktive Jägerin. Weibchen erreichen 11-15 mm, Männchen 10-12 mm Körperlänge. Die Spinne kann aufgrund ihrer Körperform und einiger Färbungsmerkmale leicht erkannt werden: Der Hinterleib läuft nach hinten etwas spitz zu (im Gegensatz zur meist ovalen Form bei anderen Spinnen). Auf dem Vorderleib befindet sich in der Mitte ein schmaler und deutlicher heller Längsstreif, der in allen Wachstumsstadien vorhanden ist. Daneben befinden sich an der Front seitlich zwei helle Flecken, die nach vorne spitz zulaufen und als kleine Dreiecke erscheinen. Die Grundfärbung variiert von gelbbraun bis dunkelbraun und ist beim Männchen in der Regel dunkler als beim Weibchen. Der Hinterleib trägt oben ein dunkles, meist nicht sehr deutliches Muster aus Winkelflecken und seitlich eine nach oben hell begrenzte, dunkle Wellenlinie. Reifezeit Mai bis Juni, Weibchen auch noch im Juli. Im Winter findet man halbwüchsige Individuen, die meist in der Laub- bzw. Bodenschicht überwintern.

Vorkommen

Vor allem in sonnigen Habitaten mit krautiger Vegetation. Pisaura kommt sowohl in natürlichen Biotopen als auch im synanthropen Bereich (naturnahe Gärten) vor. Sie ist wohl die am weitesten verbreitete Jagdspinne Mitteleuropas und und meidet nur die höheren Gebirge (kommt in den Alpen bis in etwa 1000 m Höhe vor).

Lebensweise

Im Frühjahr ist die Listspinne häufig beim Sonnenbaden zu beobachten. Dabei presst sie sich an große Blätter in der Krautschicht und zeigt eine typische Körperhaltung, d.h. die beiden vorderen Beinpaare und die beiden hinteren Beinpaare werden zusammengelegt, wodurch der Anschein eines Kreuzes entsteht. Nach der letzten Häutung im Juni ist die namensgebende Balz und Paarung zu beobachten. Das Männchen sucht eine Beute (Insekt), welche sorgfältig umsponnen wird. Sie dient im Weiteren als Brautgeschenk, dass dem Weibchen während des Balzrituals angeboten wird. Akzeptiert das Weibchen das Präsent, beginnt sie, daran zu fressen, während das Männchen die Paarung vollzieht. Zweck dieser Handlung ist es, dass das Weibchen durch die Beute abgelenkt wird und somit keine Gefahr für das Männchen während des Geschlechtsaktes darstellt. Das Weibchen trägt, nachdem die Eier in einen Kokon verpackt wurden, diesen etwa zwei Wochen herum. Sie hält ihn mit den Chelizeren fest und nimmt während dieser Phase keine Nahrung zu sich. Kurz vor dem Schlupf der Jungen spinnt sie ein etwa 10 cm großes, haubenförmiges Gespinst, in das sie den Kokon aufhängt. Nach dem Schlupf sitzen die Jungtiere in einer engen Traube zusammen, zerstreuen sich aber über das ganze Gewebe sobald Gefahr droht. Das Weibchen sitzt während dieser Phase auf dem Gespinst und scheint diesen zu bewachen. Nach der nächsten Häutung verlassen die Jungtiere dann das Gespinst und sind als neue Generation der Listspinne auf sich gestellt.

Autoren:
Dr. Peter Jäger, Dr. Martin Kreuels



Rubrik: Spinneninfos
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